George hat mir versichert, dass die allermeisten Engländer uns Deutsche sehr bewundern würden. “We admire and love you.” Und das soll ich glauben? Gut, das ist jetzt unfair, denn nie erfuhr ich in London Ablehnung aufgrund meiner Nationalität. Es passierte eher, wenn ich mich treudeutsch benahm. Also wenn ich den ebenso freundlichen wie vorsichtigen small-talk-Annäherungsversuch “how do you do?” mit einem “what do you want?” beantwortete. Dann reagierten sie verstört. Die richtige Antwort wäre natürlich “thanks fine and you” und dabei bitte darauf achten so viele Buchstaben wie möglich zu verschlucken. Das Ganze muß wie ein einziges Wort aus dem Mund fliessen: “fanks-fine-d-you”.

Sehr erfreulich sind die steigenden Übernachtungen. Immer mehr Engländer besuchen Deutschland. Seit 2009 haben sich die Zahlen fast verdoppelt. Sehr beliebt ist Berlin, das ‘picturesque’ Heidelberg und die hard-partying city Hamburg. Die Engländer mögen unsere picture-box villages, die hiking breaks und natürlich die sechzehn Nationalparks. Eine wichtige Skala ist die ‘most fun city on Earth’ auf der Berlin den ersten Platz einnimmt. Gleich danach folgt London und Hamburg liegt immerhin auf Platz sechs. Ich würde es aber nicht überbewerten, denn Geschmäcker sind unterschiedlich. Was der Teenie als ‘fun’ empfindet, kann in meinem Alter zum Ärgernis werden.

 

Die Kreuzfahrtschiffe der Cunard Line haben seit Jahren einen Ankerplatz im Hamburg Hafen und ganz fest in unseren Herzen. Eine schöne, maritime Freundschaft.

 

Mein Freund George ist durch mich ein Fan der deutschen Sprache geworden. “You’ve got a phrase for everything and some brilliantly long words”. Höchstes Lob, denn das Wort ‘brilliant’ wird nie ironisch gebraucht. Einer seiner Favouriten ist ‘Backpfeifengesicht’, ein Wort das in meinem Sprachschatz bisher nicht vorkam. Keine Ahnung wo er es aufgeschnappt hat. Bei ‘Schnapsidee’ und ‘verschlimmbessern’ erkenne ich mich schon eher. Dabei übersetzt er gerne wörtlich und liegt leicht daneben: “a brilliant plan one hatches while drunk”. ‘Kraftfahrzeughaftpflichtversicherung’ gefällt ihm, aber eigentlich ist die englische Variante auch nicht besser, wenn auch dank der Lücken übersichtlicher: ‘automobile liability insurance’.

Weil es in England kaum Berge gibt, -gut da sind die Pennines im Norden mit knapp 900 Meter Höhe, aber das war es dann auch-, lieben sie unsere Mittelgebirge und natürlich das bayrischen Voralpenland. Aber wir Norddeutschen können gegenhalten, denn unsere Strände an Nord- und Ostsee begeistern jeden Engländer. “Wow, I feel at home!” Als wir mal auf Rügen waren, fürchtete ich nie wieder von der Insel weg zu kommen. George war fasziniert und beglückt. Wasser, Sonne, Strand und keine Tide. Er glaubte sich im Paradies. Zum Glück wurde das Wetter schlecht und die Abreise konnte gewagt werden. Natürlich fesselten ihn auch die vielen barbusigen Frauen, aufgereiht am Strand in der Sonne badend, was in englischen parks/beaches noch immer ein handfester Skandal wäre. Herzerwärmend belügt er mich: “I can’t remember this”. Was er aber noch sehr gut erinnert, ist die Heimfahrt über die Autobahn. Damals hatte ich eine ziemlich schnelle C-Klasse Limousine, damit liess sich komfortabel angeben, indem man aufs Gaspedal trat. George durfte sich austoben und schwärmt seinen Kumpels noch heute vor: “They let you drive as fast as you want on the autobahn”. Inzwischen habe ich auf Smart abgerüstet und der Mann ist noch immer an meiner Seite, wenn das nicht Liebe ist.

 

Prince Charles wird bei einem Besuch in East London ein ‘pretzel’ geschenkt. Sofort macht er einen Witz über seine deutsche Abstammung. Er spricht übrigens unsere Sprache fehlerfrei.

 

Alle Engländer mögen unsere Fußballer, jedenfalls bis zu dem Tag als sie sang- und klanglos in Russland ihre Koffer packten. Sie gratulieren uns zu unseren vielen großen Komponisten, denn Engländer sind Musikkenner und Liebhaber, differenzieren es dann aber mit der Bemerkung: “Germany has a great musical heritage topped only by our own”. Nun gut, geschenkt. Und sie genießen das Essen und Trinken. Sie mögen unsere Weine, lieben das deutsche Bier, das ganz anders als das heimische CO2 freie Ale schmeckt, und loben unser Brot über den Klee. Die Vielfalt an knackigen Brötchen, und leckeren Brot ist ihnen fremd. In England gibt es nur labberiges Brot, egal ob weiss oder braun, es ist immer fluffy. George behauptet wir hätten über 20.ooo Brotsorten im Regal, was mir übertrieben erscheint, aber es sind auf jeden Fall deutlich mehr als in England. Und nicht unerwähnt dürfen die ‘huge bratwurst sausages’ bleiben, was zwar sprachlich doppeltgemoppelt ist, aber für Engländer ein wahrer Gaumenschmaus. Am liebsten früh morgens zum Frühstück.

Habe ich etwas vergessen? Das letzte Wort soll George gehören, er ist schließlich der Fachmann für mein heutiges Blogthema. “It’s alright. Only …”, fehlt was? Komm’ sag schon, raus damit. Und dann ergänzt er noch ein paar aus seiner Sicht ganz wichtigen Dinge, die ihm in Deutschland gut gefallen: “The cheap-as-chips bottles of German beer available from kiosks, the incredible forests, it’s the land of Dachshunds and the lederhosen, the most practical party and travel wear ever devised”. Oh Gott, hat er sich schon eine gekauft? Wenn er damit in London unterwegs ist, dann muß ich entweder verleugnen ihn zu kennen oder wir werden über Nacht das bekannteste Paar in Downtown. Ich weiß nicht recht, fifty-fifty.

 

Dackel sind in England sehr beliebte Hunde. Sie heißen offiziell ‘Dachshund’ werden aber meisten als ‘Sausage’ bezeichnet. Die Queen züchtete Mischungen aus Dachshund und Corgi, sogenannte Dorgies.