Eine vorausschauende Terminplanung ist nicht gerade die Stärke des Engländers. Man findet es viel unterhaltsamer unbeschwert von irgenwelchen Terminen einfach in den Tag zu leben. Das steht zwar der deutschen Ordnungslust diametral entgegen, aber ich kann ehrlich gesagt beides gut aushalten und auch praktizieren. Und doch plane ich schon wieder langsfristige Reisetermine, obwohl ich gerade aus dem winterlichen London zurückgekommen bin. Soll ich schon im März die nächste Reise starten oder lieber den April abwarten? Und was spricht neben dem Wetter für einen der beiden Monate? Natürlich die Ereignisse, die in London stattfinden werden. Da wäre ja erst einmal die Geburt des dritten Kindes von William und Kate. Das sollte so Ende März passieren. Wäre schön dann vor Ort zu sein, denn das Neugeborene wird mit Böllerschüssen begrüßt. Wenn es ein Junge wird, dann sogar mit doppelter Anzahl, da hält man sich noch ganz an die Tradition. 

Die Kanonen werden allerdings auch zum Geburtstag der Queen in Stellung gebracht werden. Also am 21. April, dann kracht es im Hyde Park und am Tower. Auf den Termin kann man sich verlassen, da muß man nicht spekulieren. Und seit gestern wissen wir nun auch, wann sich Harry und Meghan das Ja-Wort geben werden. Es wird am Samstag, den 19. Mai, in Windsor passieren. Und das ist ein ziemlicher Kracher, denn der Tag ist bei vielen Engländern schon lange rot im Kalender angestrichen. Denn am Nachmittag desselben Tages wird das Fußball-Endspiel im Wembley Stadion angepfiffen und das ist mindestens so wichtig wie eine royale Hochzeit. Es geht um den FA Cup, der wohl so etwas ähnliches wie der DFB-Pokal ist, denn man spielt im K.O. Modus. Auf jeden Fall der Fußballhöhepunkt der Saison. Für die Engländer, die nicht im Stadion sein wollen, ist die Sache natürlich machbar, denn da richtet man sich schon vormittags vorm Fernseher ein, schaut erst den Brautleuten zu und dann den Kickern in Wembley. Aber Prince William dürfte mächtig in der Klemme sein. Er ist nämlich der Schirmherr des FA Cups und er überreicht normalerweise der siegreichen Mannschaft den Pokal. Lange Gesichter bei den Veranstaltern, denn wenn auch noch nicht bestätigt, so dürfte Prinz Harry doch sicherlich seinen Bruder als Best Man gewählt haben. Und der ist einer der wichtigsten bei der Feier, die nach der kirchlichen Zeremonie stattfinden wird. 

 

Hier in der St George Chapel in Windsor werden sich Prinz Harry und Meghan das Ja-Wort geben. Das Fernsehen wird live übertragen, Taschentücher parat halten.

 

Dass Harry und Meghan den Samstag gewählt haben, dürfte damit zusammenhängen, dass ganz London einen Holiday für die Hochzeit gefordert hat. Üblicherweise heiraten die Royals an einem Wochentag und wie soll man gleichzeitig arbeiten und dem Brautpaar zujubeln? Man wollte aber nicht, denn für einen extra Feiertag muß man ganz vorne in der Thronfolge stehen und diesbezüglich schwimmen Harry die Felle sukzessive weg. Mit dem neuen Neffen/Nichte ist sein fünfter Platz futsch. Worüber er ganz sicher nicht traurig ist. Nun hat er die Sache elegant gelöst, mit der Tradition gebrochen und die Gäste am arbeitsfreien Samstag eingeladen. Und im Wembley Stadion stieg auch weisser Rauch auf, denn man hat ein Arrangement gefunden. Irgendwie wird Prinz William vormittags in Windsor der Trauung beiwohnen, dann über Mittag die Gäste mit einer launigen Rede als Best Man unterhalten und dann mal kurz ins Fußballstadion eilen. Abends ist er dann sicher wieder unter den Partygästen zu finden. Man sieht also, die Royals werden “normaler”; sie scheinen die Prioritäten neu zu ordnen. Das gilt auch für das Weihnachtsfest. Harry und Meghan werden es mit der ganzen Familie bei der Queen auf Schloss Sandringham feiern. Das ist eine kleine Sensation, denn damit ist Meghan die erste Verlobte, die an einem so intimen Familienfest teilnehmen darf. Es bestätigt meine Vermutung, dass die spontane Begeisterung der königlichen Corgies für Meghan, ihr noch immer mächtig Punkte bei der Schwiegergroßmama einbringt. Und dann kann ich noch ein Geheimnis ausplaudern, dass mich ziemlich überrascht hat. Auf Sandringham wird Weihnachten in deutscher Tradition gefeiert. Wohl eine liebevolle Geste an Prinz Philip. Man wird die Geschenke bereits am Abend des 24. Dezembers überreichen und nicht erst am nächsten Morgen, wie es in allen anderen englischen Familie passieren wird. Allerdings kann ich mir die Royals auch schlecht im Pyjama vorstellen, inmitten eines Müllhaufens von bunten Papier und aufgerissenen Bändern. Sie werden kaum im Bett sitzten und die frischgestärkten Laken mit rumgetränkten Christmas Pudding vollkleckern und auf die nachmittägliche TV-Übertragung der Ansprache können sie sich auch nicht freuen, denn sie kennen sie ja schon. Na dann, Merry Christmas.

 

Auch in diesem Jahr wird das TV Christmas Special von ‘Mrs Brown’s Boys’ alle Quotenrekorde brechen. Die irrwitzige Komödie wird natürlich in der Hauptrolle von einem Mann gespielt.

 

Für Insider:

Wann immer man einen Christmas Cracker hingehalten bekommt, muß man einen Witz erzählen. Der muß kurz sein und am besten ein Wortspiel beinhalten. Die Sache funktioniert immer nach dem gleichen Schema. Man stellt ein Frage und gibt auch gleich die überraschende Antwort. Ein Beispiel gefällig? Bitte: “On which side do chickens have the most feathers?” “On the outside.” Letzte Woche im Hotel wurde dieser erzählt: “Why did Santa’s Laplan Hotel have a bad Trip Advisor  rating?” “It had a frosty reception”. Und unter Erwachsenen darf’s auch Unanständig sein: “What did Santa do under the mistletoe at the office party?” “Pulled a cracker.” Also Schlagfertigkeit ist gefordert und leider gute Sprachkenntnisse. Aber wer noch nicht so fit ist, kann bestimmt beim Zuhören erahnen wohin die Sache steuert.

 

Immer ein bißchen um die Ecke denken, dann trifft man ins Schwarze.