Mit dieser Schreckensmeldung wurden die Engländer am frühen Morgen wach gemacht. “Who??? Who’s leaking?” Na, Elizabeth natürlich. Pro Stunde fast 200 Liter. “Whaaaaat? Are you crazy?” “Doch, doch, so steht es in der Zeitung. ‘HMS Queen Elizabeth is leaking’.” Ihr, der HMS, gehört der ganze Stolz der Nation. Gerade wurde sie mit dem Attribut ‘most powerful warship ever built by the UK’ geadelt. Natürlich war die (richtige) Queen beim Stapellauf anwesen und hat persönlich dem gigantischen Flugzeugträger für alle Zeit eine handbreit Wasser unter dem Kiel gewünscht. “We wish the ship and her crew safe journeys and may there always be water under her keel!”

 

Wo immer die HMS Queen Elizabeth auftaucht, ist der Jubel groß. Ein gewaltiger Pott.

 

Behördliche Pleiten, Pech und Pannen sind natürlich Steilvorlagen für die Presse und selbst die Engländer konnten sich doppeldeutige Schlagzeilen nicht verkneifen, drängten sich witzige Wortspiele doch geradzu auf. Aber wir sollten uns mit unserer Schadenfreude vornehm zurückhalten und das nicht nur weil das Fest des Friedens vor der Tür steht. Ich kann mich an den Stolz der Bundeswehr erinnern, als endlich der erste A400M in Betrieb gestellt wurde. Ein 11.000 PS starker Großtransporter, der sich bisher nur selten in die Lüfte geschwungen hat, weil das Hochleistungstriebwerk alle 20 Stunden eine Inspektion benötigt. Oder die Eurofighter, die mehr in die Werkstatt fliegen, als über den Wolken, und mit Rissen im Rumpf hatten auch die nagelneuen Marinehubschrauber erst einmal mit sich selbst zu kämpfen. 

 

Die Queen war begeistert, als sie das Schiff auf ihrem Namen taufen durfte. Die Marine liegt ihr besonders am Herzen, denn schließlich gehörte ihr Mann dieser Truppeneinheit ein Leben lang an. Jetzt hat er nach 64 Jahren (!) sein Amt als ‘ceremonial head of the Royal Marines’ an den Enkel Prinz Harry abgegeben. Der darf sich ab sofort ‘Captain General of the Marines’ nennen. Das ist ganz gewiß eine große Ehre für ihn und er ist genau der Richtige, der dieses Ehrenamt überzeugend verkörpern kann. Deshalb sage ich: Glückwunsch!

 

Solche ‘flops, failures and fumbles’ sind ja für alle, die nicht davon betroffen sind, eine willkommene Unterhaltung. Es tut der deutschen Seele gut, wenn man mit dem Finger auf andere zeigen kann und dadurch erfährt, dass man selbst nicht der größte Dussel im Land ist. Und leider mischt sich dann nicht selten Häme unter die Schadenfreude und dann kippt die ganze Sache in eine ungute Lage. Die Engländer haben eine andere Strategie entwickelt. Sie würden vielleicht auch gerne wie wir reagieren, dürfen es aber nicht, denn jedes Schulkind lernt ‘good behaviour’. Das ist eines der wichtigsten Fächer in der Grundschule und da wird einem auch beigebracht, dass man sich niemals auf Kosten anderer amüsiert. Jedenfalls nicht so, dass er/sie es mitbekommt. Und deshalb war ich gespannt, was sie (die Presse) denn nun mit der technischen Panne am Paradeschiff der britischen Marine machen werden. Heute morgen dann die typisch englische Antwort: Man hatte eine witzige Zeichung mit dem Text versehen: ‘This is the first Royal Navy ship to have the lifeboats in the inside’. Ho, ho, ho, selten so gelacht.

 

Stolz hatte man die beeindruckenden Zahlen des gigantischen Flugzeugträgers veröffentlicht. Jetzt müsste man ergänzen: 200 Liter Leckwasser pro Stunde. Aber mal ehrlich, dass ist mal gerade eine Badewanne voll. Die Reparatur kann deshalb auch ‘nebenbei’ gemacht werden, das lässt sich mitten auf hoher See abdichten. (Quelle: Daily Telegraph)