Das Jahr geht zu Ende und mir bleiben nur noch wenige Tage um hier Beiträge einzufügen. Also blicke ich doch mal zurück und versuche zu erinnern was in diesem Jahr politisch wirklich wichtig war. Es fing ja gleich mit einem Paukenschlag an, der sich zwar nicht in England ereignete, aber doch weltweit mit Unbehagen registriert wurde. Ich denke dabei natürlich an die Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten, der im Januar ins Weisse Haus einzog. Ich hatte ihm damals keine vier Wochen Probezeit gegeben und lag mal wieder schwer daneben. Aber die USA sind weit entfernt, England liegt mir viel näher und vielleicht kann ich das dortige Geschehen etwas besser einschätzen. Auf der Insel ertönte der erste politische Paukenschlag am 29. März mit der Aktivierung des Artikels 50. Premierministerin Theresa May hatte damit die EU-Ausstiegsuhr zum Ticken gebracht. Genau zwei Jahre später wird der Zeiger stehenbleiben. Oder vielleicht auch nicht, wie die Engländer jetzt sofort einwerfen würden. Wer weiß, und überhaupt, und es könnte doch … Let’s go to the Pub and be jolly happy. 

 

Well. Ich gebe zu, dass ich die Karte ein klein wenig bearbeitet habe. Aber ich hätte doch so gerne eine, womöglich mit königlich angeleckter Briefmarke drauf. – Ich sollte wenigstens erwähnen, dass ich in diesem Jahr einen ganz besonders lieben Kartengruß bekommen habe, natürlich von einem Engländer.

 

Das Jahr 2017 war für die Premierministerin Theresa May eine nicht endende Katastrophe. Ihr schlug offene Anfeindung der eigenen Leute entgegen, man unterminierte ihre Autorität wo man konnte und schließlich ging die überraschende Neuwahl im Juni gründlich in die Hose. Statt Stärkung war sie nun schwer angeschlagen und auf die Stimmen der Nordirischen DUP angewiesen, um überhaupt noch eine Mehrheit im Parlament zu erlangen. Die Engländer reagierten zunehmend genervt. Yes, it’s serious, but sooooo boring. Bange Fragen wie ‘Do we have to deal with the Brexit every day now and now?’ waren plötzlich auf der Titelseite zu lesen. Zum Glück lebten die Royals mal wieder ganz gegen den Trend und konnte deshalb in die Bresche springen. Sie prodzierten unterhaltsame Schlagzeilen am laufenden Band. 

Immer wenn Mrs May sich hart eine Chance erarbeitet hatte, um das Ruder zu wenden, kam ihr prompt etwas in die Quere. Mal waren es missgelaunte Kollegen, oft aber auch purer Zufall. Ein Jahr voller Pleiten, Pech und Pannen. Der Parteitag im Herbst sollte ihr endlich durch eine Grundsatzrede den nötigen Rückhalt verschaffen und was passiert? Ihre angegriffenen Stimme macht mitten im Satz schlapp, sie verliert die verbale Kontrolle, quietscht abwechselnd wie ein ungeöltes Rad oder brummt wie ein Grizzly im Winterschlaf. Schließlich verstummt sie ganz und der Parteitagsslogan, der hinter ihr an der Wand prangt, fängt an Buchstabe für Buchstabe abzufallen. Was für ein Disaster. Freund und Feind haben in diesem Moment mit ihr gelitten. Flops, failures and fumbles.

 

Theresa May, britische Premierministerin. Sie hatte im letzten Jahr wenig Grund zum Lachen. Ich mag sie, meine Sympathien hat sie u.a. durch ihre klar definierten Prioritäten erlangt. Da steht die Politik nicht immer und nicht an allen Wochentagen an erster Stelle und ich glaube das ist eine richtige Entscheidung.

 

Im Dezember dann eine erneute Verschärfung im Umgangston der EU-Verhandler. Man beordert Mrs May mehrmals kurzfristig nach Brüssel, lässt sie warten, gibt der Presse die Gelegenheit die Gedemütigte zu fotografieren und speist sie schließlich ergebnislos ab. Statt einen ‘Guten Heimflug’ zu wünschen, ruft man ihr lieber noch ein paar Drohungen hinterher und freut sich schon auf die TV Bilder, wenn sie ihre leeren Hände dem englischen Parlament erklären wird. Auf den letzten Drücker gelingt dann doch noch eine vage Zusage, der Weiterverhandlung wird grünes Licht gegeben. Immerhin ein versöhnliches Zeichen, gerade noch rechtzeitig vor dem Beginn der zweiwöchigen Weihnachtspause, die jetzt auch in Downing Street Einzug hält. Und dann doch noch ein letzter Paukenschlag. Der engste Mitarbeiter und persönlich langjährige Freund Damian Green muß entlassen werden. Er ist der ‘britische Kanlzeramtschef’ und wird seit einigen Monaten durch einen Pornobilder Skandal belastet. Jetzt konnte er der Falschaussage überführt werden und damit war seine Entlassung unabdingbar. Gestern abend musste er gehen. Blöderweise hatte David Davis, der Chef-Brexit-Verhandler schon vorher gesagt, dass auch er sein Amt niederlegen wird, falls Theresa May seinen Freund und Kollegen Green entlassen sollte. Das wäre dann aus britischer Sicht der EU-Super-Gau. Und für die Politiker wird es jetzt noch einmal ganz eng, denn sie haben nur noch zwei Tage bis zur Weihnachtspause Zeit, um die Trümmer des letzten Einschlages irgendwie zur Seite zu schaffen.

Da war ich dann natürlich heute morgen ziemlich gespannt, was in der englischen Presse zu lesen sein wird. Sicherlich viel trockenes Zeug, aber ich bin bereit mich da durch zu arbeiten, denn nur so kann ich lernen, wie die britische Politik funktioniert. Und so war ich nicht überrascht gleich auf Seite drei aktuelle Nachrichten aus der Downing Street zu finden. Allerdings waren die dann doch ganz anders als ich erwartet hatte.

 

 

 

Aktuelles aus der Downing Street: Irgendjemand hatte gestern vormittag übersehen, dass Staatskater Larry vor der Tür in der Kälte saß. Erst als Premierministerin May von der Sitzung im Houses of Parliament in ihr Büro zurückkehrte, konnte er mit ihr zusammen in das warme Haus schlüpfen. Sie glauben ich übertreibe? Na gut, dann eben hier der O-Ton: ‘Someone at No 10 managed to lock out Larry the Downing Street cat yesterday. At least Mrs May departed for PMQs soon after, allowing the fractious feline to get in out of the cold.’ 

Hoffentlich bleiben ‘meine’ Engländer wie sie sind, stets mit einem untrüblichen Gefühl für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. In diesem Sinne, merry Christmas to you all.