Ich habe größten Respekt vor allen Leuten die sich um den Londoner Alltag kümmern müssen. Eine Stadt mit 8.5 Millionen Einwohnern, -2020 geschätzte 10 Mio.-, mit Wasser, Strom und Gas zu versorgen ist eine Herausforderung, um nur einen Aspekt zu betrachten. Und das meiste muß ja auch wieder entsorgt werden und auch dafür muß die Stadt ständig die Infrastruktur ausbauen. Das  ist aber organisatorisch unlösbar, wenn die City flächendeckend mit Straßen und Häusern bebaut ist. Und so wurde dann beispielsweise das drängende Abwasserproblem kurzerhand durch den Bau eines komplett neuen Systems gelöst. Man konnte natürlich nicht die vorhandenen Leitungen aufgraben, sondern ging einen anderen, radikalen Weg. Man baute einen Super-Sammler mit einigen Metern Durchmesser, der entlang der Themse von Westen bis Norden einmal quer durch die Stadt verläuft. Eine gigantische Baustelle und der Grund warum Fußgänger an einigen Stellen den Queens Walk, entlang der Themse, kurzweilig verlassen müssen. 

 

Der ‘Super-Sewer’ ist eine gigantische Baustelle. Offiziell heißt das Projekt ‘Thames Tideway Tunnel’

 

Ein anderes Problem ist der Müll. Er nimmt ständig zu und man sucht auch hier neue Wege zur dauerhaften Beseitigung. Ein Baustein könnte die Plastiksteuer sein, die gerüchteweise nächste Woche vom Schatzmeister dem Parlament vorgestellt werden soll. Nachdem man vor zwei Jahren die kostenfreien Plastiktüten in den Lebensmittelmärkten verboten hat, und es gab anfangs lautstarken Protest, ist inzwischen die Nutzung der shopping bags enorm zurückgegangen. Die Menschen haben sich daran gewöhnt ihre eigenen Taschen mitzubringen. Jetzt sollen alle Plastikbehälter besteuert werden, die nur für einen Einmalgebrauch vorgesehen sind. Also alle Flaschen, Joghurtbecher, Salatschalen, Kaffeebecher etc. Die Kosten werden in voller Höhe an den Käufer weitergegeben und genau das wird zu einem Umdenken führen. So plant man jedenfalls.

Eine andere Maßnahme sind die Strafgebühren für litter-louts, also Müllsünder. Wer seinen Müll wild entsorgt wird zu Kasse gebeten. Aber auch der Fußgänger, der den Abfall auf die Straße fallen lässt, muß mit einer saftigen Strafzahlung rechnen. Also Vorsicht, wenn Sie in London unterwegs sind, wird man Sie möglicherweise beobachten. Überall sind litter warden unterwegs, die einen finanziellen Bonus erhalten, der unmittelbar an die Anzahl der ausgestellten Tickets gekoppelt ist. Mit anderen Worten, die Müllwächter sind hochmotiviert und kennen kein Pardon. London hat sich in Sachen öffentliche Sauberkeit Singapur zum Vorbild genommen und geht den eingeschlagenen Weg konsequent zu Ende. Hier mal ein paar Beispiele aus jüngster Zeit, damit Sie wissen womit Sie rechnen müssen, wenn Sie sich nicht an die Vorschriften halten:

Ein Passant hat seinen Zigarettenstummel auf die Straße geworfen und erhielt einen Strafzettel über £80. Dasselbe passierte einem Mann auf einem Wochenmarkt in London, der ein Stück Orangenschale fallen ließ. Und weil die Straßen permanent mit Videoskameras überwacht werden, konnte ein Frau zur Kasse gebeten werden, die eine Cellophane Verpackung aus dem Autofenster warf.

Die übliche Strafe beträgt achtzig Pfund und sollte sofort bezahlt werden. Wer glaubt es aussitzen zu können, erhält in kürzester Zeit eine Rechnung über £2.500 und läuft damit Gefahr bei erneuter Nichtbeachtung vor dem Gericht zu landen. 

 

 

Typische Mülleimer auf Londons Strassen. Halten Sie nach solchen Behältern Ausschau, dann ist alles gut.

 

Also immer schön den Müll mitnehmen oder in die dafür vorgesehenen Abfallbehälter werfen. Ich bin diesbezüglich gut erzogen worden und mache es automatisch. Trotzdem passe ich in London besonders gut auf, denn schon Kleinigkeiten bringen einen in arge Schwierigkeiten. Und wenn man dann zahlen soll, ist man bestimmt erst einmal total verärgert. Aber ich habe durchaus Verständnis für die harten Maßnahmen, denn nur so kann man die Sache in den Griff bekommen. Und wenn ich beispielsweise über den Trafalgar Square gehe, der täglich von einigen tausend Menschen besucht wird, darunter viele Touristen, dann freue ich mich über die Sauberkeit, die dort zum Bleiben einlädt. Wen immer das Strafgeld treffen mag, der wird wohl erst einmal zähneknirschend das Geld bezahlen und kann sich dann damit trösten, dass ein Großteil der Einnahmen für wohltätige Zwecke verwandt. Ende gut, alles gut.

 

Der Trafalgar Square ist einer der beliebtesten Plätze in London und immer blitzsauber und aufgeräumt.