Kater Larry wurde über Nacht bekannt. Genau gesagt vom 23. auf den 24. Juni 2016. Die Engländer wachten morgens mit der Schreckensmeldung ‘Brexit’ auf und noch am Vormittag erklärte David Cameron seinen Rücktritt. Zum EU-Volksentscheid fiel den Engländer als erstes ein: “I thought we were talking about the Eurovison!” und zum Abgang des Premierministers: “What will happen with Larry?” Beides zeigt den praktischen Realitätssinn der Briten; man kümmert sich stets um das naheliegendste. The rest basically happens by itself.

 

Larry wacht über die Mäuse und wird selbst von der besten Security des Landes beschützt.

 

Inzwischen sind sieben Monate vergangen, man ist politisch noch nicht sehr viel weiter, aber in Sachen Vierbeiner hat sich enorm viel getan. Chief Mouser Larry, wohlgemerkt kein mitgebrachter Schmusekater, sondern offizieller Mäusejäger im Auftrag der britischen Regierung, hat mächtig Unterstützung bekommen. Inzwischen lebt ein starkes Team von Vierbeinern, Katzen und Hunde, in Westminster und passt auf die Regierung auf. Die Zeitungen berichten regelmäßig und auch in den TV News haben Larry, Palmerston und die cuddle-dogs Rex and Oscar ihren Auftritt. Neuerdings auch Ivie and Ossie. Zwei Kater, auch vom Tierheim in Südlondon geholt, wo schon Larry Unterschlupf gefunden hatte. Alle Vierbeiner twittern täglich und halten damit die Nation auf dem Laufenden. 

 

Rex gehört zum Schatzmeister Philip Hammond in der Downing Street 11. Der Terrier hat eine große Fangemeinde auf Facebook. Man vermutet Mrs Hammond unterstützt den Vierbeiner beim posten. Der Kerl weiß wie man Fans gewinnt.

 

Es scheint, dass die Mäuseplage in der Downing Street und im Foreign Office noch schlimmer geworden ist. Vielleicht liegt es am Winter oder der Nachwuchs 2016 war besonders zahlreich? Immerhin konnte Larry letztens verkünden, dass er in einem Monat zwanzig Mäuse und eine fette Kanalratte erledigt hatte. Leider konnte ich bisher nicht erfahren, wo er auf die Ratte stieß. Womöglich in der Number 10? Um die tierischen Bewacher richtig zuordnen zu können, gibt es inzwischen hilfreiche Karten (siehe unten), die regelmäßig aktualisiert werden. Ganz neu dabei ist Gladstone, der als Nachfolger von Palmerston jetzt the Treasury mäusefrei hält. Hä, hä, Schatzamt ohne Mäuse … Ausserdem können die Engländer regelmäßig abstimmen, wer der Favourit ist. Die Beteiligung an den Umfragen ist höher als beim Brexit. Aktuell sind 56% der Zeitungsleser für das Team Larry und 44% stimmen für Palmerston. Enthaltungen gibt es keine! 

 

Gladstone ist einer der neuen Helfer von Larry. Er zieht alle Register und überzeugt seine Fans mit der Wahl seines Weihnachtspullis. Clever.

 

Anfangs hielt ich den Katzen Hype in der Downing Street für einen vorrübergehenden Trend. Ein typisches Sommerloch Thema. Aber weit gefehlt. Die Begeisterung für Tiere, besonders Katzen, ist bei Regierungsmitgliedern Traditon. Schon Winston Churchill hat sich seinen Hauskater in der Number 10 gehalten. Das verschmuste Tier wurde auf den Namen Nelson getauft. Ein naheliegende Wahl, denn Churchill war immerhin auch erster Lord der Admiralität. Er scheint den Kater also wirklich geschätzt zu haben. 

 

 

Larry hat sich perfekt auf das ‘Kanzleramt’ in der Downing Street eingestellt. Er hat keine Scheu, wenn aufgeregte Presseleute sich vor der Haustür in Stellung bringen. Barack Obama liess es sich nicht nehmen den Kater persönlich zu begrüßen und Larry liess es staatsmännisch geschehen.

 

 

Mancher Politiker wird um die Popularität der Tiere neidisch sein. Und es ist gut, dass sich weder Kater noch Hund ihrer Prominenz bewußt sind, denn sonst würden sie längst unter schweren Allüren leiden. Womöglich heimlich trinken und sich Sorgen um ihr Fell machen. Aber Larry zeigt uns, wie gelassen er den ganzen Trubel nimmt. Seine Aufmerksamkeit gilt ausschließlich dem Konferenztisch, an dem gleich die Spitzenpolitiker ihre Plätze einnehmen werden. Sollte da jemand allergisch auf Tierhaare reagieren, wird er wohl wieder gehen müssen. Die Prioritäten sind klar gesetzt, da wird keine Ausnahme gemacht.

(Übrigens mein Heilpraktiker in Hamburg darf keinen Hund in der Praxis haben, weil es gegen Hygienevorschriften verstößt. Ich glaube das sehen die Engländer gelassener. Allerdings wer mit einem Vierbeiner einreist oder so eine haarige Sache wie Mr Trump auf dem Kopf trägt, -ist es tot oder lebendig?-, muß mit sechs Wochen Quarantäne am Flughafen rechnen.)

Larry aber ist ein echter Engländer: Immer zu Späßen bereit, sehr verschmust und wunderbar unaufgeregt. Egal was da passiert, egal wer vor der Hautür steht, Larry bleibt cool

 

Die tierische Lage im Londoner Regierungsviertel, Stand Dezember 2016: