Was für ein Wort! Ich weiß nicht mehr in welchem Text ich es erstmals entdeckte, aber ich war sofort verliebt. ‚Flabbergasted‘ wurde ohne Nachdenken oder gar Lernaufwand von meinem Gehirn akzeptiert, ganz vorne abgespeichert, dort wo ich jederzeit Zugriff habe. Die Bedeutung kannte ich zunächst nicht, also mein Gehirn tappte im Dunkeln, aber meine Seele konnte mit dem neuen Spielzeug sofort etwas anfangen. Klar, dass es sich um ein Adjektiv handeln mußte und was kann dieses herrliche Wort wohl beschreiben? Würde man einen Vogel damit auszeichnen, dann sehe ich sofort eine aufgeregte, flügelschlagende Ente vor mir. Eine von der Sorte ‚flapping and scrapping and squawking‘. Auch das sind Wortschätze, die nur die Engländer zu bieten haben. Sollte ‚flabbergasted‘ aber im Zusammenhang mit einem Menschen auftauchen, dann bin ich mir ziemlich sicher eine zitternde, ‚flabbernde‘ Unterlippe zu sehen. Eigentlich liege ich mit diesen spontanen Übersetzungen selten falsch, trotzdem ist es natürlich besser irgendwann einen Blick ins Wörterbuch zu werfen und da lese ich dann: flabbergasted = verblüfft, entgeistert, verdattert. Es passt also.

Gerade fand ich das Wort wieder in einem Tweet, der von den Mitarbeitern der Eagle Heights Wildlife Foundation in Eynsford, Kent, in die Welt geschickt worden war. Hier kümmert man sich um den Schutz von Greifvögeln, besonders Adlern. Davon gibt es noch eine ganze Menge auf der britischen Insel. Bald-, Golden-, Fish- or Sea-Eagle gehören dazu. Aber auch Geier (vultures) sind in diesem Zoo zu sehen. Ich glaube sie leben nicht in freier britischer Wildbahn, aber wer weiß? Einer von ihnen ist Harold, ein Gänsegeier. Er kam vor fast 20 Jahren zu dem Zoo; der südöstlich von London, in der Grafschaft Kent liegt. Ich weiß nicht genau wer Harold dort hinbrachte, aber von alleine kam er sicher nicht geflogen. Er hatte nämlich Papiere bei sich, die sein Alter, sein Geschlecht und andere Merkmale enthielten. 

 

In Schottland gibt es noch freilebende Seeadler. Wegen ihrer enormen Flügelspannweite haben sie den Spitznamen ‚flying door‘. Auch hübsch, oder?

 

Es ist gar nicht lange her, da konnte Harold ein neues Gehege beziehen. Es ist größer als sein altes und er scheint sich dort sehr wohl zu fühlen. Ja, er ist jetzt richtig glücklich und kann sich endlich Zeit für andere Dinge nehmen, als sich ganztägig um häusliche Sorgen zu kümmern. Und da passierte es dann, Harold legte ein Ei! ‚Harold the vulture shocks staff by laying an egg after they thought ‚he‘ was male for 20 years,‘ lautete die Schlagzeile. Da frage ich mich natürlich, ob denn wirklich nie jemand nachgesehen hat? Aber man klärte mich auf, dass Geierfrau und -mann identisch aussehen, sogar dort wo Unterschiede zu erwarten wären. Um das Geschlecht festzustellen muß man einen aufwendigen und teuren DNA Test durchführen, das hat man bei Harold natürlich nicht gemacht. Schließlich hatte er bei Ankunft ‚Papiere‘ bei sich. 

 

Foto: Karl Grafton – „We’ve had her for so long… It will always be a habit to call her Harold, so it may just stay as her name!“

 

Einen Wermutstropfen gibt es aber doch. Es wird kein Kücken schlüpfen. Die Geier können genau wie unsere Hühner unbefruchtete Eier legen. Ohne Geiermann wächst da drinnen nix und deshalb ist man jetzt auf der Suche nach einem echten männlichen und tunlichst agilen Griffon Vulture. Falls Sie einen haben und loswerden wollen, können Sie ja mal die Wildlife Foundation in Eynsford kontaktieren. Die würden sich freuen und Sie bekommen bestimmt lebenslangen freien Eintritt.