Je besser mein Englisch wird, desto öfter lache ich lauthals im Einkaufszentrum los. Und zwar über die englischen Werbesprüche, ohne die der Einzelhandel nicht mehr auskommt und was dort zu lesen ist, ist oft unfreiwillig komisch. Ich weiß nicht wer die Übersetzungen macht, aber eigentlich würde schon der Google Translator ausreichen, um die gröbsten Schnitzer zu vermeiden. Auf der anderen Seite zählt in der Werbung nur eins, sie muß wirken, sonst nichts. So sagte es mir ein Fachmann und damit hat er wohl recht. Also will ich auch nicht länger stänkern.

 

Was will uns Jeanshersteller Levi’s damit sagen? Sollen wir ohne Knöpfe oder gar ohne Hintern leben???

Sehr schön war auch der Badezimmer Leitfaden im Fachhandel, der mir als ‘Bad Guide’ angepriesen wurde.

 

In England ist das anders. Da habe ich noch keinen deutschen Slogan im Schaufenster entdeckt, das scheint bei den Käufern nicht anzukommen. Vielleicht mal das eine oder andere Wort aus dem Französischen, aber die deutsche Sprache ist für englische Ohren nicht sexy genug. Ja, es gibt Anleihen, der Begriff ‘Weltschmerz’ wurde übersetzungsfrei in den englischen Sprachschatz übernommen, aber das liegt nur daran, dass der Brite den Zustand der grundlosen Depression nicht kennt und deshalb auch kein eigenes Wort dafür finden kann. Allerdings kommen mir nun doch Zweifel, wenn ich über das Thema nachdenke, worüber ich heute schreiben möchte: Christmas Time. Da fallen mir auf einmal ganz viele Anleihen ein, die sich der Engländer von uns abgeguckt hat. Der Weihnachtsbaum wurde von Prinz Albert mitgebracht und gehört seit dem untrennbar in die Weihnachtszeit. Der Weihnachtsmarkt ist in London groß im Kommen und gilt als besonders attraktiv, wenn er ‘traditional German wooden chalets and Bavarian-style bars’ anbietet. Und der dort in den Ständen angebotene Christmas Pudding hat ernsthafte Konkurrenz durch die Original German Curry Sausages bekommen. Die ich in diesem Fall dann allerdings auch geschmacklich bevorzugen würde. 

 

Der Weihnachtsmarkt im Hyde Park lockt mit deutscher Feierkultur. Zum Glück gibt es viele Märkte in London und ich glaube ich werde lieber einen anderen besuchen.

 

Womöglich ist der Weihnachtsmann selbst eine deutsche Erfindung? Auf jeden Fall heißt sein englischer Cousin ‘Father Christmas’ und nicht etwa ‘Santa Claus’. Allerdings logiert er auf den Weihnachtsmärkten in ‘Santa’s Grotto’, wo er kleine Jungs auf den Schoß nimmt und ihnen etwas ins Ohr flüstert. Der Bursche muß aufpassen, dass er nicht wegen öffentlichen Ärgernisses angezeigt wird. Mit den aufgeweckten englischen Kindern hat er es in diesem Jahr besonders schwer. Die orientieren sich an der Welt der Erwachsenen und stellen Father Christmas auf eine harte Probe, indem sie ihm mitteilen: “When we’ve made sufficient progress on my presents, than we can move on to talks about my behaviour”. Die EU-Verhandler lassen grüßen.

Ich habe gute Erfahrungen mit Father Christmas gemacht. Er ist ein lustiger, netter Kerl. Er kommt bekanntlich am Weihnachtsmorgen durch den Schornstein geklettert, stellt den Kinder die Geschenke ins Zimmer und beschert dann die Mutter im Schlafzimmer, während ihr Gatte in der Küche beschäftigt ist, wo er die erste Lage Eierpunsch zusammenrührt. Mit anderen Worten, der Weihnachtstag ist in England voller Überraschungen. Hingegen ist der Heilige Abend, den in UK niemand kennt, der Abschluss eines stressigen Tages. Tagsüber noch gearbeitet, abends Gans, Rotkohl und Geschenke gekauft und um Mitternacht den ganzen Kram eingepackt. Das ist mühsam und weit entfernt von einer Feiertagsstimmung. Und genau da setzt jetzt ein neuer Trend an. Eine geniale Idee, von den Deutschen geklaut, die das Weihnachtsgeschäft schlagartig in die Höhe katapultiert. 

Der Engländer hat die Christmas Box entdeckt. Das Ding enthält kleine Geschenke und Leckereien und wird am Christmas Eve, also am 24. Dezember, überreicht. Letztes Jahr fing man damit an und in diesem Jahr erwartet jedes englische Kind das pre-present; aus der Nummer kommt kein Elternpaar jemals wieder heraus. Überall werden die Kisten fertig gepackt verkauft, aber man kann die Sache natürlich auch selbst machen. Dann ist die Phantasie gefragt und den Kinder kann das Format gar nicht groß genug sein. Ich möchte wetten, dass da schon die ersten Hunde via Christmas Box verschenkt wurden. Für den Gatten malt man einfach den Bierkasten an, dann ist sein festive hamper fertig und er ist glücklich.

Ich sehe der neuen Entwicklung sehr entspannt entgegen, denn ich habe stets an beiden Traditionen festgehalten und feiere deshalb Weihnachten seit einigen Jahren an beiden Tagen. Am 24. werden die leckeren Sachen zum Aufessen freigegeben, da lutsche ich mich dann von Schokolade bis zuckersüßen Likör durch und runde das ganze mit ‘It’s a wonderful life’ im TV ab. Und am nächsten Morgen bin ich dann für Father Christmas bereit. Ach herrlich, erst fröhliche Weihnachten und dann Merry Christmas.

 

Hoffentlich finde ich Paddington in London. Er steht ganz oben auf meiner Liste. Hier trifft er Kinder auf dem Ice Rink am V&A Museum