Oha, was soll es bedeuten? In diesen Tagen gibt es viele Gründe für gute Nachrichten, aber auch für Schlechte. In London sowieso, denn der Terroralarm ist nach wir vor hoch. Was also ist so wichtig, dass es per Eilmeldung verbreitet wird? Ehrlich, ich war überrascht, als ich den Nachrichtenticker las: “Parts of London including Holborn and Lothbury saw light snowfall at around 11am.” Dazu ein Foto, bei dem auch bei starker Vergrößerung keine Flocken erkennbar sind, vielleicht ein paar Flecken, hinter denen ich eher ein schlecht geputztes Objektivglas vermuten würde. Das ist schon komisch, einerseits fürchtet der Londoner die Minusgrade, andererseits sind sie sofort aus dem Häuschen, wenn es dann tatsächlich einmal schneit. Und das passiert weiß Gott selten. Das Londoner Klima ist einfach zu mild; im letzten Jahr fiel das Quecksilber kein einziges Mal unter Null Grad.

 

Hurra! Es schneit in London. Ich habe die Flocken mal lieber markiert, damit niemand sagen kann, ich hab’ nix gesehen.

 

Eine Büroangestellte, die die überschaubare Menge von ‘light flurries’ am Fenster bemerkt hatte, twitterte: “A tiny bit of snow starts falling in London and you can hear the wave of excitement pass through my office.” Ja gut, wir haben den 30. November und das ist wirklich früh für Schnee. Aber gleichzeitig bin auch ich voller Vorfreude, dass die Wetterlage vielleicht anhält, denn ich will mir die Londoner Weihnachtsmärkte mit der Kamera ansehen. Das wäre ein Ding, London, Christmas Market und Schnee. Eine Jahrhundert-Fotoreportage scheint möglich zu sein!

 

Ob es mir gelingt auch solche Bilder mitzubringen? Ganz Schlaue sagen jetzt: Bestimmt nicht, denn Big Ben ist noch immer fest in Bauplanen verpackt.

 

Wenn wir aber ehrlich sind, dann ist das heute gar nicht der erste Schneefall, den London im Herbst/Winter 2017 erlebt. Die allerersten Flocken rieselten bereits gestern nachmittag in der Oxford Street vom Himmel. Alle, die gerade aus der gleichnamigen U-Bahn Stationen die Treppen hochkamen, konnten es nicht fassen. Man blieb wie angewurzelt stehen, staunte und schickte dann die Sensation via Smartphone in die Welt: “What is this white substance flying around? Don’t panic #London, it’s just SNOW!” Ein anderer war skeptischer und fragte sich und seine Followers: “Is the Christmas decoration shredding around or is it snow???” Ziemlich schnell wurde dann eine Aufklärung geliefert. Immerhin war es in derselben Straße, der völlig überfüllten Oxford Street, wo erst letzte Woche eine Massenpanik ausbrach. Man glaubte Schüsse gehört zu haben, dann fuhren unzählige Polizeiwagen vor und wiesen die Einkäufer an, sich Schutz in Geschäften und Hotels zu suchen. Eine gespenstische Situation, die sich zum Glück als grundlos herausstellte. Aber ich möchte so etwas nicht erleben, denn es reicht aus, sich “nur” gefühlt in Lebensgefahr zu befinden, um sein inneres Gleichgewicht zu verlieren. Am Rande sei erwähnt, dass ich mir in London stets der erhöhten Anschlagsgefahr bewußt bin, mich aber gleichzeitig unangreifbar sicher und geschützt fühle. Ich bin nicht besonders gläubig, aber vielleicht habe ich in England noch ein paar zusätzliche Schutzengel? Zurück in die Realität und auf die Einkaufsmeile in London. Der überraschende Schneefall, der sich übrigens nur an der Ecke Oxford/James Street ereignete, hatte seinen Grund in einer Werbeaktion. Die Drogeriekette Boots hatte sich eine Schneemaschine vor die Tür gestellt und kurzerhand in Gang gesetzt. Die Promotion war ein Erfolg, denn man hatte die volle Aufmerksamkeit der Londoner und der vielen Touristen, die dort ihre Weihnachtseinkäufe tätigen. 

 

London hat ein mildes Klima und seit Jahren sind die Winter schneefrei. Früher, also vor über 100 Jahren, fror die Themse regelmäßig zu. Das passiert heute aus vielen Gründen ganz sicher nicht mehr. Trotzdem hat man die Fußwege der London Bridge mit Heizungen versehen. Da wird es also ganz sicher nicht glatt.

 

Übrigens: Obwohl es fast nie weiße Weihnachten in London gibt, träumen über 70% der Engländer von Schnee im Dezember. Ihre Feiertagswünsche sind klar definiert: A tree in the living room, mince pies with tea, and Santa coming down the chimney. Da unterscheiden sie sich also nur in technischen Detailfragen von unseren Vorstellungen. Fragt man sie aber, warum Father Christmas rote Kleidung trägt, dann müssen sie nachdenken. Es liegt wohl daran, dass der Weihnachtsmann ein deutscher Import ist und seine Gewohnheiten nicht vertraut sind. Aber dann fällt dem kleinen Liam doch noch die Antwort ein: “It’s ’cause of Coca Cola!” 

 

Fahrverbot für den Cola Weihnachts Truck? Es droht das aus in London, denn man will für das zuckersüße Getränk keine Werbung erlauben. Wer glaubt mit der Variante ‘Zero’ gesund zu leben, sollte sich noch einmal mit den Zutaten im Detail beschäftigen.