Nun also doch die GroKo. Und es passt ihnen nicht, sie nörgeln und maulen ‘rum, hatten es sich so schön ausgemalt das Volk alleine zu regieren. Kein Satz ging dem Neuen bei der SPD so flüssig über die Lippen wie: “… und wenn ich dann Bundeskanzler bin *) …”. Was für eine Fehleinschätzung. Jetzt ist Martin Schulz hart gelandet und schwer enttäuscht. Wenn Politikern das Regieren in einer Koalition nicht gefällt, dann hätten sie es vielleicht besser in einem bürgerlichen Beruf versuchen sollen. Nun haben sie den Schlamassel und nun müssen sie mal zeigen, dass sie ihren Anspruch auf die Kapitänsrolle auch in rauhen Fahrwasser gerecht werden. Nur zu liebe Politiker, stellt euch auf neue Verhältnisse ein. Wir mussten es auch tun, denn die Globalisierung kam ungefragt in unsere Büros und hatte über Nacht die Arbeitsstruktur neu definiert. Wir haben es geschafft, dann wird es die politische Führungsriege wohl auch hinbekommen. Übrigens erstaunlich spät, man wurstelt sich parteipolitisch noch immer wie in den Gründungsjahren hindurch. Da ist eine Modernisierung nicht nur im Führungsstil dringend nötig.

*) Ich weiß nicht wie es Ihnen ging, aber mir fiel dann immer der Song von Rio Reiser ein. Wie ging der man noch? Ich glaube er sang: “Jede Nacht um halb eins, wenn das Fernseh’n rauscht, leg’ ich mich aufs Bett und mal mir aus, wie es wäre, wenn ich nicht der wäre, der ich bin, sondern Kanzler, Kaiser, König oder Königin”.

Und damit ist mein Frust ‘raus, ich habe mir Luft gemacht und kann die Lücke mit neuen Dingen füllen. Am liebsten mit etwas Erfreulichen und das sollte sich in der englischen Zeitung finden lassen. Schauen wir mal rein. Um thematisch keinen zu weiten Sprung zu machen, bleibe ich bei der deutschen Politik. Die hat sich am Dienstag aufs Feinste mit der englischen getroffen. Unser Bundespräsident hat seinen Antrittsbesuch bei der Queen gemacht. Er kam mit Gattin und die Königin brachte ihren Enkel Prince William mit zum gemeinsamen Diner im Buckingham Palace. Wie immer formvollendet wußte sich der Präsident zu verabschieden. Er war sich nicht zu wichtig, um sich tief vor Elizabeth II zu verbeugen. Ein schönes Bild, das mich ganz persönlich freut, denn so etwas bleibt bei den Engländern hängen und sie begegnen mir entsprechend offen oder reserviert, wenn ich ihnen erzähle, dass ich in Deutschland zuhause bin.

 

Antrittsbesuch des Bundespräsidenten bei Queen Elizabeth II im Buckingham Palace

 

Die Queen war sicherlich vom Ehepaar Steinmeier beeindruckt und doch hielt ihre Aufmerksamkeit nur zwei Tage an, denn dann drängte sich ein anderer vor. Sorry, lieber Herr Steinmeier, aber gegen Yarna, the puppy love, sind Sie und alle anderen Besucher chancenlos. Yarna ist eine sieben Jahre alte Labrador Hündin und eine direkte Nachfahrin von Sandringham Magpie, eine Züchtung der Queen höchstpersönlich. Aber Yarna hat noch einiges mehr zu bieten. Sie lebt in einem Hundezentrum in West Sussex, wo die willigen Vierbeiner zu besonderen Diensten ausgebildet werden. Sie sollen hilfsbedürftigen Menschen im Alltag zu Seite stehen. Beispielsweise Rollstuhlfahrern. Klingelt das Telefon, dann nehmen sie den Hörer ab und bringen ihn zum Besitzer. Sie können Türen aller Art öffnen und reagieren auf zahlreiche Befehle. Sie sind sogar mit den Geldautomaten vertraut, wo sie sicher die Scheine mit ihrer Schnauze entnehmen und ihrem Besitzer geben. Mit unserem Nachbarhund würde ich es nicht ausprobieren, er kaut alles durch, was nicht zurückbeisst.

 

Wenn die Queen so empfangen wird, dann ist sie nicht mehr zu halten. Die Mitarbeiter des Canine Partners in Heyshott haben die jüngsten Hunde bewußte in die erste Reihe genommen. Sie eroberten das königliche Herz sofort.

 

Es war klar, dass die Queen diesen Termin mit großer Begeisterung wahrgenommen hatte. Es ist kein Geheimnis, dass sie Pferde und Hunde ganz besonders liebt. Will man sie also zu einer Eröffnung überreden, dann sollte man wenigsten einen Esel ins Foyer stellen. Und so war die Königin voller Aufmerksamkeit und bester Stimmung, als sie das Trainingszentrum besuchte, mit dem Personal sprach und stets die Vierbeiner im Auge hatte. Das war ganz nach ihrem Geschmack, da ist sie emotional viel stärker beteiligt als sie es uns normalerweise zeigt. Als dann auch noch Yarna den Begrüßungsstrauß überreichte, war der Höhepunkt erreicht. Die Queen war sozusagen ‘over the moon’ und die Pressefotografen knipsten sich einen Wolf. Ich kann es gut verstehen, denn auch ich liebe die Fotografie und natürlich auch die Hunde.

 

The Queen appeared delighted yesterday as she was offered a posy of flowers by a seven-year-old black labrador. – Leider reagiert die betagte Königin etwas langsam, also schmeißt Yarna ihr den Strauß einfach auf die Füße. Wunderbarer Einfall! Sie kann es sich leisten, niemand ist verstimmt.